Branchen

Wie auch meine Anlagestrategie und mein Depot teile ich meine Analysen in die 11 standardisierten GICS-Branchen (Global Industry Classification Standard) ein.

Basiskonsumgüter

Im Gegensatz zu den zyklischen Konsumgütern handelt es sich bei den Basiskonsumgütern um vergleichsweise konjunkturunabhängige Unternehmen. „Gegessen und getrunken wird immer, und wer verzichtet schon gerne auf Hygiene? Und Zigaretten sind ja sowieso eine Sucht.“

Die Branche besteht aus diversen Dividendenaristokraten, welche seit mindestens 25 Jahren ununterbrochen ihre Dividenden erhöhen. Die stabilen Gewinne helfen da enorm. In der Krise 2000 bis 2002 stieg die Bewertung der Basiskonsumgüterunternehmen sogar um 15% an.

Trotzdem bleiben die Basiskonsumgüter nicht von allen Risiken verschont. Es gibt es einen Wandel im Verhalten der Konsumenten. Weniger Fleisch. Teilweise sogar auf vegane Alternativen umsteigen. Der Trend zu gesünderem Essen nimmt immer mehr zu. Fettige Snacks und zuckerhaltige Getränke stehen genau für das Gegenteil.

Auch die Tabakbranche wird in Zukunft noch extrem spannend: den fünf großen Herstellern gelang es in der Vergangenheit sehr gut mit Preiserhöhungen gegen die stagnierende Absatzmenge und regulatorischen Eingriffe anzukämpfen 1. Während die Tabakkonzerne weiterhin gute Gewinne einfahren haben sich die Bewertungen in den letzten zwei Jahren halbiert. Das führt zu Dividendenrenditen teils über 10% (Imperial Brands Ende 2019/Anfang 2020). Ob Value-Chance oder Value-Falle wird sich in den nächsten Jahren zeigen….

Unternehmen
  • Henkel AG & Co. KGaA
  • Unilever
  • Procter & Gamble
  • PepsiCo
  • Altria
  • Philip Morris
  • Imperial Brands PLC
  • British American Tobacco

Energie

Erneuerbare Energieerzeuger zählen nach GICS in die Branche der Versorger.

Somit bleiben de facto nur Öl und Gas in der Energiebranche übrig. Ein drittel dieser schon sehr eingeschränkten Branche verteilt sich auf die fünf größten Öl-Konzerne: Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell, Total und BP.

Die Branche korreliert sehr stark mit dem Ölpreis. Dieser hatte sich in den Jahren 2009 bis 2014 so langsam von der Finanzkrise erholt und stieg auf bis knapp $100. Hauptsächlich getrieben durch die großen Fördermengen von Schieferöl (Fracking) in den USA liegt der Ölpreis seit 2014 eher im Bereich zwischen $50 und $60 und hat sich in den letzten fünf Jahren kaum vom Fleck bewegt.

Mit einer durchschnittlichen Ausschüttungsrendite von knapp 5% und Ausschüttungsquoten von um die 70% bietet der Sektor aber immer noch große Chancen für Dividendeninvestoren.

Selbstverständlich leidet die Branche auch unter dem „Green-Boom“, allerdings haben die Konzerne das erkannt und investieren teilweise massiv in das Umweltfreundlichere Erdgas-Geschäft. Und trotz der öffentlichen Sorgen bezüglich dieser schmutzigen Branche steigt der weltweite Ölverbrauch nahezu linear weiter an2. Der Peak scheint noch lange nicht erreicht zu sein. 

Unternehmen
  • Royal Dutch Shell
  • British Petroleum
  • Phillips 66
  • Exxon Mobil
  • Total SA
  • Gazprom
  • Lukoil
  • Rosneft

Finanzwesen

Niedrig-, Null- und Negativzinsen und die Disruptionsgefahr durch Fintechs drücken auf die Finanzbranche. Doch nicht allen Banken geht es so schlecht wie den meisten europäischen hier vor unserer Haustür. Obwohl auch in den USA die Zinsen historisch niedrig sind gelingt es den Geldhäusern dort erfolgreicher satte Gewinne zu erwirtschaften. 

Europäische, im speziellen deutsche Banken, werden Anfang 2020 (Mitte Februar) zu unter einem Drittel ihres Buchwerts gehandelt (KBV Deutsche Bank 0,3 –  KBV Commerzbank 0,28). JP Morgan wird dagegen mit dem 1,84 Buchwert bewertet.

Deutlich interessanter sind Versicherungsgesellschaften. Auch wenn ihr Geschäftsmodell, aus dem Kapital der Versicherten (Float) eine Rendite zu erwirtschaften, im Niedrigzinsumfeld immer schwieriger wird, können die Verluste weitestgehend durch zunehmende Schwellenländernachfrage operativ erwirtschaftet werden. Auch in den Schwellenländern möchte die aufsteigende Mittelschicht ihren Wohlstand absichern. Das gelingt Unternehmen wie Allianz, Münchner- und Hannover-Rück als auch einer Berkshire Hathaway auf beiden Seiten des Teichs sehr gut.

Obwohl die bereits erwähnte Fintechs (Wirecard, Paypal, Visa und Mastercard und Co.) den etablierten Banken teilweise große Probleme machen, zählen diese laut GICS nicht zu dem Finanzsektor. Sie sind im Technologie-Sektor eingegliedert.

Unternehmen

Gesundheitswesen

Der demographische Wandel beflügelt die Gesundheitsbranche. Eine immer älter werdenden Gesellschaft sorgt zum einen für stabile wiederkehrende Umsätze, als auch für großes Wachstumspotential im gesamten Gesundheitswesen.

Etablierten Pharmaunternehmen wie Johnson & Johnson, Roche oder Pfizer gelingt es weitestgehend auslaufende Präparate durch neue zu ersetzen. Das ist allerdings mit immensen Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung verbunden. Zusätzlich gelingt es den meisten Unternehmen trotzdem noch stetig steigende Dividenden zu zahlen. Man sollte aber zumindest mit dem Risiko kalkulieren, dass diese auch gekürzt werden könnten, falls es konjunkturell mal etwas weniger rosig ausschaut. Pfizer hat das 2009 mit einer 40%-tigen Kürzung vorgemacht. 

Biotechnologieunternehmen, welche sich unter anderem im Kampf gegen Krebs, Aids und Alzheimer befinden, bieten zwar große Wachstumschancen, aber auch nicht zu vernachlässigende Risiken mit sich. Die Gefahr, dass ein Biotech Unternehmen „ins leere forscht“ und keine Präparate zugelassen bekommt, sollte nicht unterschätzt werden.

Neben Pharma und Biotech befinden sich auch einige Medizintechnikunternehmen im Gesundheitssektor. Hier werden medizinische Geräte hergestellt, welche Kosten senken und die Effizienz steigern sollen.

In allen drei Bereichen stellt Regulierung ein bedeutendes Risiko dar. Wenn in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten weniger Geld bei den Konsumenten vorhanden ist, wird sich der politische Druck auf die gesamte Gesundheitsbranche erhöhen.

Unternehmen

Immobilien

Betongold. Auch wenn der Immobiliensektor erst seit 2016 nach GICS ein eigener Sektor ist, welcher nur knapp über 3% der MSCI World Sektoren ausmacht, halte ich den Immobiliensektor für einen der spannendsten Sektoren.

Beleihbare Immobilien, stabile Cashflows durch Mieteinnahmen und moderates Wachstum durch steigende Preise, gebündelt in Wertpapieren, sind auf jeden Fall für jeden Anleger einen Blick wert.

Besonders so genannte Real Estate Investment Trusts (REITs), welche mindestens 90% ihrer bilanzierten Gewinne an Anleger ausschütten müssen, dafür aber von der Unternehmenssteuer befreit sind, sind für Dividendenanleger besonders interessant.

In den zahlreichen Untersektoren sind klassische Wohn- und Büroimmobilien vertreten, aber auch viele verschiedene Spezialwerte wie beispielsweise SelfStorage-, Healthcare-, Antennenmasten- oder Datencenter-REITS.

Der wohl größte Vorteil für Kleinanleger: Das Klumpenrisiko ist signifikant kleiner als bei einem direkten Immobilieninvestment ist das Klumpenrisiko. Schon mit wenigen hundert Euro können über die Aktien (oder ETFs) Beteiligungen an zehntausenden Immobilien, professionell verwaltet, erworben werden.

Unternehmen
  • Digital Realty Trust (REIT) 
  • Equinix (REIT)
  • Realty Income (REIT)
  • Vonovia

Industrie

Im Industriesektor befinden sich zum einen die klassischen Flugzeugbauer (Airbus und Boeing) als auch diverse Rüstungskonzerne (beispielsweise Lockheed Martin oder Raytheon). 

Es sind aber lang nich alle Unternehmen in einem so kritischen Bereich tätig. Auch gesellschaftlich unbedenklichere Industriekonglomerate wie Siemens oder 3M hier vertreten.

In den Infrastrukturwerten (Transportunternehmen wie Flughafenbetreiber oder Eisenbahnkonzerne) befindet sich unter anderem einer meiner persönlichen Favoriten: Union Pacific.

Die doch eher kapitalintensiven Unternehmen im Industriesektor profitieren sehr von dem niedrigen Zinsumfeld. Zusammen mit den kalkulierbaren Cashflows sorgt dies meist auch für ordentliche Dividenden.

Analysen
  • Union Pacific 

Informationstechnik

Die digitale Revolution der Wirtschaft treibt seit 2009 maßgeblich den laufenden Bullenmarkt an.

Und das hat sich mit einer Verachtfachung seit 2009 auch durchaus bezahlt gemacht. Der GICS Standard ordnet streng genommen Alphabet, Facebook und Netflix als Kommunikations- und Amazon als Konsumgüterwert ein. Von dieser Einordnung weiche ich allerdings ab: FANGMAN (Facebook, Amazon, Netflix, Google, Microsoft, Apple, Nvidia) ist für mich der Inbegriff von Technologie- bzw. IT-Werten, weswegen ich diese auch hier einordne.

Trotz ambitionierten Bewertungen haben die Konzerne mittlerweile alle deutlich mehr Distanz als während des New Economy Boom. Getrieben durch Mega-Trends wie Cloud Computing, Machine Learning und Blockchain verdienen die Konzerne hunderte Milliarden.

Zum einen bietet der Sektor viel Chancen durch Start-Ups und Private Equity, zum anderen gibt es aber auch Konzerne (gerade im Bereich Hardware), welche über 4% Dividende ausschütten.

Nicht ohne Grund ist der IT-Sektor sowohl im MSCI World als auch in meinem Depot der am stärksten gewichtete Sektor.

Unternehmen
  • NVIDIA Corp. 
  • Alphabet Inc. 
  • Microsoft Corp. 

Kommunikationsdienstleistungen

Der Betrieb von Telekommunikations- und Mobilfunknetzen ist zwar nicht sexy, sorgt aber für konjunkturresistente Cashflows wodurch oft hohe Dividenden gezhalt werden können. 

Dem gegenüber stehen extreme politische und regulatorische Risiken a la 5G-Versteigerung oder der geplante und x-mal verhinderte Merger von T-Mobile US und Sprint.

Seit 2018 wurden auch Internet- und Medienkonzerne dem Sektor hinzugefügt, unter anderem z.B. Walt Disney.

Unternehmen
  • Walt Disney Company 

Nicht-Basiskonsumgüter

Zyklische Konsumgüter (und auch Dienstleistungen) werden stark nachgefragt, solang es uns wirtschaftlich gut geht. Da man sie nicht zum Leben braucht, sind sie aber auch das Erste, auf das wir verzichten, sobald es uns mal nicht mehr so gut geht.

Der Sektor vereint viele verschiedene Untersektoren. Unter anderem Autohersteller, Super- und Bäumärkte, Modefirmen, Hotels und auch Internet-Plattformen.

Generell ist das meiste Geschäft sehr kapitalintensiv und äußerst zyklisch. Kleine Ausnahmen bieten die Luxus- und Modefirmen wie LVMH, Nike und Adidas.

Persönlich finde ich auch den aktuell viel diskutierten und für Deutschland extrem wichtigen Automobilsektor sehr spannend. Meiner Meinung nach bieten sich hier mittlerweile auch Chancen, durch teils günstige Bewertungen und vergleichsweise hohe Dividendenrenditen. Was sich davon als Dividendenfalle entpuppt, wird wohl nur die Zukunft zeigen.

Unternehmen
  • McDonalds Corp. 
  • Porsche Automobil Holding SE 

Roh-, Hilfs- & Betriebsstoffe

Wie der Energie-Sektor wird auch der Grundstoff-Sektor als „schmutzige“ Branche angesehen. In ihm vereinen sich hauptsächlich Chemie und Minen-Konzerne. Allerdings kommt der Name Grundstoffe nicht von ungefähr.

Ohne Metalle wie Kupfer, Aluminium oder Kobalt würden Technologie- und Energiekonzerne ziemlich alt aussehen. Der Nachhaltigkeits-Boom mit Windrädern und Elektroautos funktioniert ohne schlicht und einfach nicht. Die Minenaktien korrelieren zwar sehr stark mit den Rohstoffpreisen, locken dafür aber auch mit üppigen Dividendenrenditen. Bei Rio Tinto (einer der weltweit größten Minenkonzerne) gibt es im Februar 2020 beispielsweise 6,1% Dividendenrendite bei einer Ausschüttungsquote von 52% .

Neben Minen und klassischen Chemie-Konzernen wie z.B. BASF tummeln sich aber auch hoch spezialisierte Firmen, wie etwa Linde Plc (Industriegase, nach der Fusion mit Praxair zweit größter DAX Konzern) in diesem Sektor.

Unternehmen
  • BASF SE 
  • Rio Tinto 
  • Fuchs Petrolub SE 
  • Brenntag AG 

Versorger

Die Versorgerbranche bietet hohe Dividendenrenditen, welche durch stabile Cashflows gedeckt sind. Die Einnahmen basieren auf wertvoller Infrastruktur und sind teilweise fast staatlich garantiert. Somit lassen sich die teils enormen Verschuldungsquoten auch verkraften.

2000 bis 2002 und 2008 bis 2009 sanken die Versorger „nur“ um knapp 35%, während sich der MSCI World mehr als halbierte.

Allerdings ist die Versorgerbranche dagegen sehr anfällig für staatliche Interventionen und regulatorische Eingriffe. Deutscher Atom- und Kohleausstieg, um nur zwei Beispiele zu nennen. Hierdurch macht es Sinn, sich bei den Versorgern global aufzustellen und das Risiko zu verteilen.

Selbstverständlich ist die Branche durch die Energiewende geprägt. Trotzdem gibt es ausschüttungsstarke Konzerne, wie beispielsweise Brookflied Renewable Partners. Diese vereinen eine knapp 5% Dividendenrendite mit Energieerzeugung aus rein erneuerbaren Energiequellen.  

Neben den klassischen Energieversorgern befinden sich auch mehrere Wasserversorger in der Branche. Durch die extrem hohen Bewertungen und die politsch regulatorische Gefahr sind die aber für mich weniger interessant.

Unternehmen
  • Red Electrica Corp. 

Weiterführende Links

Wer mehr über die einzelnen Branchen lesen möchte, kann sich gerne die hervorragende Kampagne von Christian W. Röhl auf Capinside durchlesen. Die hat mich bei der Erstellung der Branchenbeschreibungen sehr wertvollen Input gegeben.